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Wissenschaftliche Projektbegleitung am DoKoLL

Wirksamkeit der Maßnahme bei Lehramtsstudierenden

Die Studentischen Förderlehrerinnen und Förderlehrer des ersten Projektdurchgangs, die im Sommersemester 2004 ausgebildet wurden und ab September 2004 im Förderunterricht mit Schüler/inne/n mit Migrationsgeschichte tätig waren, wurden seit Beginn ihrer Ausbildung projektbegleitend befragt. Das Projekt bietet den Studierenden eine sehr enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, indem ihnen die Möglichkeit gegeben wird, die im Studium erworbenen theoretischen Kenntnisse und das Handlungswissen im Bereich Umgang mit kultureller Verschiedenheit und Deutsch als Zweitsprache im Unterricht aller Fächer in eigenverantwortlichem Unterricht über einen längeren Zeitraum hinweg anzuwenden, zu erproben und zu reflektieren. Die längsschnittlich über zwei Jahre angelegte Begleitevaluation bezog sich wesentlich auf den Erwerb der in diesem Kontext adressierten Kompetenzen.

Vgl. "Sprache fördern - Kulturvielfalt erleben / Lehrerausbildung praxisnah"; Fokus Lehrerbildung Nr. 1, Februar 2007

Beitrag des Projekts zur Weiterentwicklung schulpraktischer  Studien

In der ersten Phase der Lehrerausbildung kommt den schulpraktischen Studien ein besonderer Stellenwert zu. An der Technischen Universität Dortmund haben sind drei Formen schulpraktischer Studien etabliert (Eignungs- und Orientierungspraktikum,  Berufsfeldpraktikum, Praxissemester). Im Projektzusammenhang wird eine Kombination von Eignungs- und Orientierungspraktikum (EOP) und Förderunterricht angeboten. Das EOP soll vorrangig mit dem Berufsfeld Schule und den Aufgaben von Schule und Lehrern vertraut machen, den Perspektivwechsel vom Schüler zum Lehrer einleiten und dazu beitragen, die Eignung für den Beruf zu überprüfen sowie die Berufsmotivation reflektiert zu begründen. Authentische Erfahrungen sollen die Grundlage für die analytisch-reflektierte Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld im Studium darstellen.

Die Besonderheiten der Kombination dieses Praktikums mit dem Förderunterricht sind vereinfachend die folgenden:

Der Förderunterricht erstreckt sich über ein Schuljahr. Diese zeitliche Dauer ermöglicht es den Studierenden in ihrer Funktion als Förderlehrerinnen und Förderlehrern, sich zunächst an der Schule zu orientieren, diese unter vielen Aspekten kennen zu lernen und sich auf organisatorische sowie disziplinarische Anforderungen einzustellen. Darüber hinaus treffen sie langfristige inhaltlich-methodische Absprachen mit den Projektverantwortlichen und weiteren Lehrerinnen oder Lehrern der Schule, diese in regelmäßigen Abständen unter Zielführungsperspektiven zu überprüfen, zu revidieren, zu modifizieren. Zudem haben sie die Möglichkeit, längerfristige thematische Projekte mit den Schülerinnen und Schülern zu planen und durchzuführen, aber auch Fehleinschätzungen wieder zu korrigieren und die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schülern zu beobachten. Sie werden außerdem über diese Zeit für die Gruppe zu einer Autorität und Vertrauensperson.

Die Förderlehrerinnen und Förderlehrer haben keine bloße Hospitationsfunktion, sondern beobachten und unterstützen ihre Förderschüler/innen in den Assistenzstunden im Regelunterricht und fördern ihre Kleingruppe unter Beachtung des dort diagnostizierten Bedarfs selbstständig und in eigener Verantwortung. Damit kommt die Situation den späteren Aufgaben deutlich näher als ein zeitlich kurzer Ausflug in die Schule unter Aufsicht. Dabei bleiben die Praktikantinnen und Praktikanten aber von der Benotungs- und Selektionspflicht befreit.

In Kombination dieser beiden Gegebenheiten überprüfen die Förderlehrerinnen und Förderlehrer ihre Eignung und erproben die spätere Rolle als Lehrerinnen bzw. Lehrer an einem thematisch ausgesuchten Inhalt, der Sprachförderung im Sachfachunterricht. Sie betätigen sich dabei fach- und sprachdidaktisch, ohne aber für alle Aspekte der Fachvermittlung bzw. des Fachunterrichts zuständig sein zu müssen. Sie lernen also die Schulrealität unter dem Fokus sprachlich-kultureller Heterogenität kennen und kommen quasi nebenbei mit vielen Berufsanforderungen „im Kleinen“ in Kontakt: Sie haben wenige Stunden, wenige Schülerinnen bzw. Schüler und nur ein Fach.

Im Rahmen einer Untersuchung zur Wirksamkeit dieser Maßnahme im Vergleich zu herkömmlichen schulpraktischen Studien geht es um den subjektiv eingeschätzten Erwerb von projekt-unabhängigen Kompetenzen im Themenfeld Unterrichtsvorbereitung, Umgang mit heterogener Schülerschaft, unterrichtsbezogenen Kompetenzen und Selbstkompetenzen sowie Perspektivwechsel zur Lehrerrolle. Es wird der Frage nachgegangen, ob diese Kompetenzen mit dem Projekt als zusätzlichem Ausbildungselement besser erreicht werden als ohne dieses. Die Erhebung erfolgte in einem quasi- und echt-längsschnittlichen Designs.

(Vgl. Seipp, B. & Ralle, B. (2011). Mercator-Förderunterricht und herkömmliche schulprakti­sche Studien – Entwicklung von Kompetenzselbstkonzepten bei Lehramtsstudieren­den. In K. Eilerts, A. Helen Hilligus, G. Kaiser & P. Bender (Hrsg.), Kompetenzorien­tierung in Schule und Lehrerbildung. Festschrift für Hans-Dieter Rinkens. Paderborner Beiträge zur Unterrichtsforschung und Lehrerbildung, Band 15,  S. 109 -  134. Berlin: Lit.)

 

Weitere Publikationen im Kontext des Projekts

  • Baur, R., Becker-Mrotzek, M., Benholz, C., Chlosta, Ch., Hoffmann. L., Ralle, B., Salek-Schwartze, A., Seipp, B. & Özdil, E. (2009). Modul „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) im Rahmen der neuen Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen. Essen: Stiftung Mer­cator.
  • Seipp, B. (2010a). Sprachförderkompetenz Deutsch als Zweitsprache im Unterricht aller Fächer – Übertragung des Projekts "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" der Stiftung Mercator in die neue Lehrerbildung in Nordrhein-Westfalen. In Chlosta, Ch. & Jung, M. (Hrsg.), DaF integriert. Literatur – Medien – Ausbildung. 36. Jahrestagung des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache 2008 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Materialien Deutsch als Fremdsprache, Band 81, S. 251-269. Universitätsverlag Göttingen.
  • Seipp, B. (2010b). Förderunterricht – vom Projekt zur Lehrerbildung: Verstetigung des Projekts "Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund" der Stiftung Mercator in der Lehrerbildung am Beispiel der Technischen Universität Dortmund. In Stiftung Mercator (Hrsg.), Der Mercator-Förderunterricht für Schüler mit Migrationshintergrund durch Studierende. S.121-140. Münster: Waxmann.
  • Seipp, B. & Ralle, B. (2010). Evaluation im Rahmen von Sprachförderprojekten. In Benholz, C., Kniffka, G. & Winters-Ohle, E. (Hrsg.), Fachliche und sprachliche Förderung von Schülern mit Migrationsgeschichte. Beiträge des Mercator-Symposions im Rahmen des 15. AILA-Weltkongresses "Mehrsprachigkeit: Herausforderungen und Chancen". S. 73-94. Münster: Waxmann.
  • Seipp, B. (2011). Deutsch als Zweitsprache in der Lehrerbildung – Spagat zwischen Hoffnung und Realität. In M. Michalak & M. Kuchenreuther (Hrsg.), Grundlagen der Sprachdidaktik Deutsch als Zweitsprache. (S.1-26).  Baltmannsweiler Schneider Verlag Hohengehren.
  • Winters-Ohle, E., Seipp, B. & Ralle, B. (Hrsg.) (2012). Lehrer für Schüler mit Migrationsge­schichte. Sprachliche Kompetenz im Kontext internationaler Konzepte der Lehrerbil­dung. Reihe Mehrsprachigkeit, Band 35, Münster: Waxmann.


Nebeninhalt

Projektleitung:

DoKoLL der TU Dortmund

Dr. Bettina Seipp

Emil-Figge-Straße 50

44227 Dortmund

0231-755 5586

bettina.seipp@tu-dortmund.de